BRIDGE Nachbericht: Brücken bauen für nachhaltige Regionen
Ein Gastartikel von Aurelia Ullrich-Schneider von der Regio-V (Regionalentwicklung Vorarlberg) als Teilnehmende am “BRIDGE” Kurs der Mitmach-Regionen Initiative

Austausch unter 23 Menschen aus 8 Regionen während 4 Tagen gemeinsam in Neulengbach (Niederösterreich) mit einer riesigen Summe an neuen Erkenntnissen und Ideen: Das ist die Bilanz in Zahlen eines Praxistreffens unter dem Titel „Brücken bauen für nachhaltige Regionen“, an dem die Regio-V Ende April teilgenommen hat. Eine Zusammenschau der Inhalte.
Die Mitmach-Regionen-Initiative hatte im Frühjahr 2026 zum 10-monatigen Bildungsprogramm „BRIDGE – Brücken bauen für nachhaltige Regionen“ eingeladen. Die Regio-V ist eines von acht Regionen-Teams aus Österreich und Deutschland, die zur Teilnahme am über Erasmus+ finanzierten Kurs zur Gestaltung von sozial-ökologischen Transformationsprozessen ausgewählt wurden. Vom 23. bis 26. April traf sich die Gruppe erstmals persönlich in Neulengbach bei St. Pölten im Vereinslokal TogetherNest. Unter dem Motto „Raus aus der Blase – Brücken bauen“ boten die vier Tage viel Raum für Austausch, Perspektivwechsel und gemeinsames Nachdenken.

Vielfalt in der Gruppe, an Methoden und Ideen
„Wir fanden es sehr bereichernd, dass die Gruppe vielfältig zusammengesetzt war mit freiwillig engagierten Menschen aus verschiedenen Mitmach-Regionen mit unterschiedlichen beruflichen Hintergründen und kommunalen Akteur:innen wie dem Klimabündnis und uns“, meint Cecilia Baurenhas von der Regio-V. Auch das Programm war vielfältig: Orientiert am „Oasen-Spiel“ (Oasis Game) bot es einen abwechslungsreichen Rahmen, um verschiedene Methoden wie das „Spektrum der Verbündeten“, Rollenspiel oder verschiedene Check-In-Möglichkeiten kennenzulernen und auszuprobieren.

Gleichzeitig hatten die Teilnehmenden viel Zeit, innerhalb der eigenen Teams und im Austausch mit den anderen an den eigenen Herausforderungen zu arbeiten. So brachte die Regio-V beim Open Space unter anderem die Frage ein, wie es gelingen kann, dass das eigene Thema für andere relevant wird. „Wir können aus den vier Tagen viele Anregungen für unsere Arbeit mitnehmen – vor allem für unser aktuell laufendes WERTstätten-Projekt – wie zum Beispiel die Idee eines „transformativen Abendessens“ mit Behördenvertreter:innen“, zeigt sich Aurelia Ullrich-Schneider von der Regio-V erfreut über die gewonnenen Erkenntnisse und Kontakte.

In den kommenden Monaten geht das BRIDGE-Bildungsprogramm mit anderen Formaten wie Online-Weggemeinschaften und Beratungstreffen bei jeder Region weiter. Abschließend erhalten alle teilnehmenden Regionen ein Toolkit, das alle vorgestellten und praktisch erprobten Methoden zum Nachlesen und Anwenden bündelt. Dieses Ergebnis wird auch allen Interessierten öffentlich zur Verfügung stehen.
Der Kurs „Brücken bauen für nachhaltige Regionen: Bildungsprogramm zur Gestaltung von sozial-ökologischen Transformationsprozessen“ wird von der Europäischen Union finanziert. Die geäußerten Ansichten und Meinungen entsprechen jedoch ausschließlich denen des Autors bzw. der Autoren und spiegeln nicht zwingend die der Europäischen Union oder der Europäischen Exekutivagentur für Bildung und Kultur (EACEA) wider. Weder die Europäische Union noch die EACEA können dafür verantwortlich gemacht werden.

BRIDGE wird als Erwachsenenbildungsprogramm von uns als Mitmach-Regionen Initiative umgesetzt. Über das von Erasmus+ geförderte Projekt begleiten wir Menschen in insgesamt acht Regionen in Deutschland und Österreich bei den Themen Empowerment, Beteiligung und Demokratieförderung.
Träger:innen-Organisationen Mitmach-Regionen Initiative der sind die Schweisfurth Stiftung und Pioneers of Change e.V. Die Projektleitung liegt bei Matthias Middendorf und Stephanie Steyrer. Das Treffen in Neulengbach wurde von Judith Stemerdink-Herret und Angela Kaser unterstützt.
Den Wandel selbst gestalten
Ein Artikel aus dem Jahresbericht 2025 der Schweisfurth Stiftung (als eine Träger:innenorganisation der Mitmach-Regionen-Initiative).

Die Mitmach-Regionen Initiative: Menschen in 50 Regionen Deutschlands, Österreichs und der Schweiz setzen sich für ein gutes Leben für alle ein. Ob in Aalen in Baden-Württemberg, im Hohen Fläming in Brandenburg, in Neulengbach im Wiener Wald oder in Winterthur im Schweizer Kanton Zürich: In zahlreichen Mitmach-Regionen vernetzen sich engagierte Bürger:innen, um lokale Lösungen für ökologische und soziale Herausforderungen unserer Zeit zu entwickeln und umzusetzen. Getragen von der Schweisfurth Stiftung und dem niederösterreichischen Verein Pioneers of Change unterstützt die Mitmach-Regionen Initiative diese Menschen dabei.
Entwicklung in mehr und mehr Selbstorganisation
Die Initiative ging aus dem 2022 gestarteten Projekt 100 Mitmach-Regionen hervor, in dem regionale Teams zum Beispiel bei der Organisation lokaler Mitmach-Konferenzen von uns begleitet wurden. Bereits bei Projektbeginn war vorgesehen, dass die anfangs intensivere Begleitung mehr und mehr in die Selbstorganisation der Regionen übergeht. So wurden in den ersten drei Jahren die sogenannten Weggemeinschaften – überregionale Arbeitsgruppen, in denen sich fünf bis acht Mitmach-Regionen gegenseitig unterstützen – von einer professionellen Moderation begleitet. Seit Herbst 2025 werden die Weggemeinschaften von den Mitmach-Regionen selbst organisiert und moderiert.
Beispiele wie der Wandel vor Ort gelingt
In der 2025 gestarteten Mitmach-Region Soester Börde in Westfalen organisierten Ehrenamtliche im Herbst desselben Jahres ihre erste Mitmach-Konferenz. Teilnehmende suchten gemeinsam nach Antworten auf Fragen wie „Wie feiern wir 2030 eine CO2-neutrale Kirmes?“ oder „Wie fördern wir Gemeinschaftswohnprojekte?“. Aus der Mitmach-Region Niederösterreich mittendrin entstand 2024 ein EU-gefördertes Projekt zur Stärkung der biologisch-regionalen Nahversorgung. Landwirt:innen, Verarbeiter:innen und Konsument:innen erarbeiteten ein Marktkonzept, das Bestellungen und Logistik zwischen Bio-Betrieben koordiniert, sowie die neue regionale Wertschöpfungskette „Vom Biokorn zum Biokornspitz“. Sie entwickelten zudem Ideen für eine regional-ökologische Ernährung auf lokalen Veranstaltungen wie Feuerwehrfesten.
Als besonderen Erfolg sehen wir die kooperativen Beziehungen, die zwischen den Regionen entstanden sind: Ressourcen werden großzügig geteilt, Fähigkeiten Einzelner werden zu Kompetenzen der gesamten Initiative – ein lebendiges Netzwerk. So standen beispielsweise beim Bürgerrat im österreichischen Waldenstein Expert:innen als „Telefon-Joker“ bereit, die aus mehreren Mitmach-Regionen stammten.
Aktuelle Kurse und Aktivitäten
Die Mitmach-Regionen Initiative versteht sich heute als Dach für die aktuell 50 aktiven Regionen und jene, die es werden wollen. Sie nimmt dabei eine koordinierende Rolle ein. Wir betreuen die Website mitmach-region.org und die interne Online-Plattform weiter. Auch Kurse, Videos und Tutorials stehen in der Videothek weiterhin zur Verfügung und unterstützen die meist ehrenamtlich Aktiven vor Ort. Der Onlinekurs „Mitmach-Konferenz organisieren“ ist nun öffentlich und kostenlos. 2026 werden wir über ein von Erasmus+ gefördertes Projekt Menschen in acht Regionen bei den Themen Empowerment, Beteiligung und Demokratieförderung begleiten. Gemeinsam mit ihnen werden wir auch erarbeiten, welche Rahmenbedingungen in diesen Pilotregionen zum Erfolg beitragen und wie diese Erfahrungen anderen Regionen helfen können.
Copyright Fotos: Mitmach-Region Niederösterreich mittendrin, Copyright Grafiken: Kaia-Engelberger
Die Mitmach-Regionen Initiative ist aus dem Projekt der “100 Mitmach-Regionen” entstanden.